⚠️ Ausführliche Inhaltswarnung: „Die Säulen der Erde“ enthält als historischer Roman des Mittelalters harte Themen: sexualisierte Gewalt und eine ausführlich beschriebene Vergewaltigungsszene, brutale körperliche Gewalt, Hinrichtungen, Kindstod, Hunger und extreme Armut, feudale Ungerechtigkeit, kirchliche Machtmissbräuche, politisch motivierte Morde sowie mittelalterliche Grausamkeiten. Follett schildert das Mittelalter authentisch und nicht romantisiert.
Wer selbst Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt gemacht hat oder mit den genannten Themen aktuell empfindlich umgeht, sollte die Lektüre achtsam abwägen. Der Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen ist rund um die Uhr kostenlos und anonym unter 116 016 erreichbar. Bitte sei achtsam mit dir.
Ein Baumeister, der seinem Lebenstraum nachjagt. Eine Adelstochter, die um alles kämpft. Ein Mönch mit einer Vision. Und die Kathedrale von Kingsbridge, die Menschen und Schicksale über Jahrzehnte verbindet. Ken Follett hat mit „Die Säulen der Erde“ einen der besten Historienromane aller Zeiten geschrieben. Was mich am stärksten gefesselt hat: Die unglaublich vielschichtigen Charaktere Jack, Aliena und Prior Philip. Ein wahres Meisterwerk – 5 Sterne ohne Zweifel!
📖 Buchdaten
| Titel: | Die Säulen der Erde |
| Autor: | Ken Follett (*5. Juni 1949 in Cardiff, walisischer Weltbestseller-Autor, über 170 Millionen verkaufte Bücher) |
| Originaltitel: | The Pillars of the Earth (1989, GB) |
| Übersetzung: | Jürgen Speh, Till R. Lohmeyer, Gabriele Conrad, Christel Rost |
| Genre: | Historischer Roman / Mittelalter-Epos / Familiensaga / Politischer Roman |
| Reihe: | Kingsbridge-Roman, Band 1 (von 5) |
| Verlag: | Bastei Lübbe |
| Erschienen: | Deutsche Erstausgabe 1990, aktuelle Taschenbuch-Ausgabe |
| Seitenzahl: | 1294 Seiten (großer Wälzer!) |
| Einband: | Taschenbuch (auch als Hardcover, E-Book und Hörbuch) |
| ISBN: | 978-3-404-17812-4 |
| Zeitrahmen: | England, ca. 1120–1170 (12. Jahrhundert) |
| Vorbild: | Die Geschichte der Kathedrale von Salisbury |
| Verfilmung: | 2010 als deutsch-kanadische 8-teilige Mini-Serie mit Ian McShane, Rufus Sewell, Matthew Macfadyen, Eddie Redmayne, Hayley Atwell |
| Verkaufszahlen: | weltweit über 26 Millionen Exemplare, in Deutschland mit Platin-Status ausgezeichnet |
⭐⭐⭐⭐⭐
5 von 5 Sternen
Meisterhafter Historien-Epos mit unvergesslichen Charakteren. Das Mittelalter zum Anfassen! Ein absoluter Genre-Klassiker!
Worum geht’s?
Wir befinden uns im mittelalterlichen England, zu einer Zeit politischer Wirren und persönlicher Katastrophen. Nach dem Untergang des einzigen legitimen Thronerben Englands im „White Ship“-Unglück beginnt eine Zeit voller Instabilität. Das Reich zerbricht in einem Bürgerkrieg zwischen König Stephan und der rechtmäßigen Thronerbin, „Kaiserin“ Mathilde. In dieser Zeit steht die kleine, verarmte Priorei Kingsbridge vor dem Nichts. Bis der ehrgeizige Prior Philip die Vision entwickelt, eine große Kathedrale zu bauen – die Kingsbridge zu einer bedeutenden Stadt machen könnte.
Um Kingsbridge herum entwickelt sich ein komplexes Netzwerk von Schicksalen. Tom Builder, ein wandernder Baumeister, träumt sein Leben lang davon, an einer Kathedrale zu bauen. Aliena, die Tochter eines gestürzten Grafen, kämpft nach dem tragischen Verlust ihrer Familie um Rache und ein neues Leben. Jack Jackson, der Sohn eines Steinmetzes und Alienas Halbschwester, entwickelt sich zu einem genialen Baumeister mit revolutionären Ideen für die gotische Architektur. Und dann ist da der skrupellose Bischof Waleran und der brutale William Hamleigh, die alles daran setzen, Kingsbridge zu zerstören. Über Jahrzehnte hinweg verflechten sich diese Schicksale zu einer atemberaubenden Familiensaga, die politische Wirren, kirchliche Machtkämpfe und persönliche Tragödien vor der Kulisse einer entstehenden Kathedrale erzählt. Am Ende führt die Handlung zum berühmten historischen Mord an Erzbischof Thomas Becket in Canterbury 1170 – ein Wendepunkt der englischen Geschichte.
Meine Meinung
Die vielschichtigen Charaktere – das absolute Herzstück
Das ist der wichtigste Grund für meine 5-Sterne-Bewertung. Ken Follett hat mit Jack Jackson, Aliena und Prior Philip drei der unvergesslichsten Figuren der modernen Historienromanliteratur geschaffen. Was diese Charaktere so besonders macht: Sie sind komplex, widersprüchlich, menschlich. Sie sind nicht die typischen Klischee-Helden, sondern echte Menschen mit Fehlern, Sehnsüchten, Ängsten und Träumen. Über 1294 Seiten hinweg wachsen wir mit ihnen mit, leiden mit ihnen, hoffen mit ihnen. Wenn ein Buch dieser Länge nicht langweilig wird, liegt es fast immer an den Figuren. Und Follett hat hier Meisterwerk-Charaktere geschaffen.
Was ich besonders beeindruckend finde: Follett zeigt uns diese Menschen in allen Lebensphasen. Wir sehen Jack als Kind, als Jugendlichen, als jungen Mann, als Vater, als etablierten Baumeister. Wir sehen Aliena von der behüteten Adelstochter zur brutal getroffenen Kämpferin, zur erfolgreichen Wollhändlerin, zur liebenden Ehefrau und Mutter. Wir sehen Prior Philip als jungen Mönch, als ambitionierten Aufsteiger, als weisen alten Mann. Diese lebenslangen Entwicklungen sind sehr selten in einem einzigen Roman zu finden. Meist wird nur ein Lebensabschnitt gezeigt. Follett wagt es, das ganze Leben zu porträtieren – und das macht die Charaktere so tief, so glaubhaft, so berührend.
Aliena – eine der stärksten Heldinnen der Historienliteratur
Aliena verdient eine besondere Erwähnung. Sie ist für mich eine der stärksten weiblichen Hauptfiguren der modernen Historienliteratur. Ihre Geschichte ist tragisch und triumphal zugleich. Als junge Adelstochter verliert sie durch die Machenschaften der Hamleigh-Familie alles: Vater, Bruder, Zuhause, gesellschaftliche Stellung. Und dann muss sie eine unaussprechliche Gewalttat durch William Hamleigh erleiden – eine Szene, die auch heute noch schwer zu lesen ist, aber die Follett mit einer Ernsthaftigkeit und Würde behandelt, die anerkennt, wie zerstörerisch diese Erfahrung ist.
Was Aliena so bemerkenswert macht: Sie gibt nicht auf. Sie baut sich aus dem Nichts ein neues Leben auf. Sie wird zur erfolgreichen Wollhändlerin – eine der ersten selbständigen Geschäftsfrauen im Roman. Sie kämpft für ihr Recht, für ihre Familie, für ihre Zukunft. Sie liebt Jack tief, aber ist keine passive Wartende. Sie ist eine Frau, die aus eigener Kraft ihr Leben gestaltet. In einer Zeit, in der Frauen kaum Rechte hatten, kämpft Aliena mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln. Diese Kombination aus Verletzlichkeit und Stärke, aus Erlittener und Überlebender, macht sie zutiefst berührend. Follett hat hier eine feministische Heldin geschaffen, die auch nach 35 Jahren nichts an Kraft verloren hat. Für alle Leser:innen, die starke weibliche Hauptfiguren in historischen Romanen suchen, ist Aliena ein Highlight.
Jack Jackson – der geniale Baumeister
Jack Jackson ist einer der wunderbarsten Figuren des Romans. Von seiner ungewöhnlichen Herkunft (seine französische Mutter Ellen wird als „Hexe“ verfolgt) über seine schwierige Jugend bis zu seiner Entwicklung zum genialen Baumeister – Jacks Entwicklung ist eine der schönsten Coming-of-Age-Geschichten der historischen Belletristik. Er hat den revolutionären Blick für die gotische Architektur, die damals gerade in Frankreich entwickelt wurde und für England noch neu war. Diese architektonische Vision macht ihn zu einem Pionier seiner Zeit.
Was Follett bei Jack besonders gut gelingt: Die Verbindung zwischen Handwerk und Kunst, zwischen Wissenschaft und Kreativität. Jack ist nicht nur ein Baumeister, der Steine aufeinander stapelt. Er ist ein Künstler, der versteht, wie Licht durch Räume fließt, wie Kräfte in Konstruktionen wirken, wie Schönheit entsteht. Wenn er die Kathedrale von Saint-Denis besucht und zum ersten Mal echte gotische Architektur sieht, ist das ein Schlüsselmoment. Follett schafft es, uns die Faszination dieser neuen Bauweise zu vermitteln. Und Jack teilt seine Leidenschaft mit uns. Für alle Kunst- und Architektur-Interessierten ist Jacks Handlungsstrang ein wahrer Genuss. Er verbindet emotionale Charakter-Entwicklung mit historischer Baukunst-Geschichte. Das ist große Erzählkunst.
Prior Philip – die moralische Instanz
Prior Philip ist meine Lieblingsfigur des Buches. Er ist die moralische Instanz, das Herz von Kingsbridge, der Antrieb der ganzen Kathedralbau-Vision. Follett zeigt ihn nicht als weltfremden Klerikers, sondern als klugen, praktischen, gottesfürchtigen Mann, der versucht, in einer korrumpierten Welt anständig zu bleiben. Er kämpft für Gerechtigkeit, für die Armen, für die Kirche als spiritueller Institution – gegen die Verlogenheit vieler seiner Amtskollegen wie Bischof Waleran.
Was Philip so faszinierend macht: Er ist nicht perfekt. Er hat Fehler. Er ist manchmal zu vertrauensvoll, manchmal zu ehrgeizig. Er trifft Entscheidungen, die er später bereut. Aber er versucht immer, das Richtige zu tun. Diese Fehlbarkeit macht ihn menschlich und glaubhaft. Für alle, die die Frage stellen, wie man in einer korrupten Welt gute Menschen bleibt, ist Philip eine inspirierende Figur. Follett zeigt: Man kann nicht immer gewinnen, man kann nicht alles retten, aber man kann mit Integrität handeln. Diese Botschaft ist universell und zeitlos. Auch die Reflexion über Religion und Glaube in dieser Figur ist nuanciert. Follett schreibt keinen kirchenkritischen Roman, aber er zeigt sowohl die spirituelle Kraft echten Glaubens als auch die Machtmissbräuche der institutionellen Kirche. Diese Balance verdient Respekt.
Der Kathedralbau als roter Faden
Was den Roman zusammenhält, ist der Kathedralbau von Kingsbridge. Follett zeigt uns Schritt für Schritt, wie ein solches monumentales Bauwerk entsteht. Von den ersten Fundamenten bis zu den finalen Fenstern. Von den einfachen romanischen Anfängen bis zur revolutionären gotischen Vollendung. Diese architektonische Ebene ist so faszinierend, dass viele Leser:innen nach dem Buch tatsächlich mittelalterliche Kathedralen besuchen wollen. Follett verwandelt Steine in Poesie.
Als Inspiration für Kingsbridge diente Follett übrigens die reale Geschichte der Kathedrale von Salisbury. Wer nach der Lektüre die englische Grafschaft besucht, wird Follett förmlich in der Luft riechen. Auch andere gotische Kathedralen – Canterbury, Winchester, Chartres, Reims – werden nach der Lektüre in einem neuen Licht erscheinen. Man versteht plötzlich, welche menschlichen Dramen hinter diesen Bauwerken stehen. Welche Baumeister sich abgearbeitet, welche Priore geträumt, welche Adligen finanziert haben. Diese kulturelle Wirkung des Buches ist enorm. „Die Säulen der Erde“ hat mehr Menschen für mittelalterliche Baukunst begeistert als jedes andere Buch der modernen Zeit.
Das authentische Mittelalter-Bild
Was Follett besonders gut kann: Er zeigt uns das Mittelalter, wie es wirklich war – nicht wie in romantisierenden Filmen. Das Leben war hart. Die Menschen waren oft hungrig. Die Frauen hatten kaum Rechte. Die Kirche war ebenso spirituelle Zufluchtsstätte wie Machtapparat. Die Adligen konnten mit ihren Untergebenen tun, was sie wollten. Die Justiz war willkürlich. Der Alltag war brutal.
Follett schmiert diese Realität nicht auf, um zu provozieren. Er zeigt sie, weil sie historisch akkurat ist. Diese Ehrlichkeit macht das Buch zu einem wertvollen Werk. Wer nach der Lektüre romantische Mittelalter-Filme sieht, wird sie mit anderen Augen betrachten. Die Realität war viel härter, viel schmutziger, viel gewalttätiger. Aber sie war auch reich an Träumen, Hoffnungen, Kämpfen um Anständigkeit. Follett zeigt beides. Die Dunkelheit und das Licht des Mittelalters. Diese ausgewogene Darstellung ist einer der Gründe, warum das Buch so viel Anerkennung von Historiker:innen bekommen hat. Follett hat für die Recherche mit vielen Fachleuten zusammengearbeitet. Diese Sorgfalt merkt man dem Text an. Auch wenn manche Details historisch nicht ganz akkurat sind (es ist ein Roman, keine Doktorarbeit), ist die Grundstimmung authentisch.
Die politische Dimension
Follett verwebt die persönlichen Schicksale meisterhaft mit der großen Politik. Der englische Bürgerkrieg zwischen König Stephan und Kaiserin Mathilde bildet den Hintergrund für die persönlichen Dramen. Historisch nennt man diese Zeit „The Anarchy“ – eine echte Periode politischer Instabilität in England. Follett zeigt, wie die kleinen Menschen von den großen politischen Kämpfen betroffen sind. Wie Adlige die Situation ausnutzen. Wie Bauern und Bürger leiden.
Am Ende führt die Handlung zum berühmten historischen Ereignis: dem Mord an Erzbischof Thomas Becket in Canterbury 1170. Diese reale historische Tragödie – als vier Ritter im Auftrag von König Heinrich II. den Erzbischof im Dom ermorden – ist einer der Wendepunkte der englischen Geschichte. Follett integriert dieses Ereignis brillant in seine fiktive Handlung. Wir spüren die Konsequenzen des Mordes durch die Augen unserer Kingsbridge-Figuren. Diese Vermischung von Fiktion und Historie ist Meisterwerk-Klasse. Wer sich für englische Mittelalter-Geschichte interessiert, findet in „Die Säulen der Erde“ nicht nur einen Roman, sondern eine Bildungs-Erfahrung. Ich habe nach dem Buch viel über Thomas Becket, Heinrich II. und die englische Anarchie gelesen. Follett hat mich zur historischen Neugier inspiriert.
Bischof Waleran und William Hamleigh – die Antagonisten
Auch die Antagonisten verdienen Erwähnung. Bischof Waleran ist einer der besten Bösewicht-Kreationen der modernen Belletristik. Ein ehrgeiziger Kirchenmann, der Macht über Spiritualität stellt, der ohne Skrupel manipuliert und mordet, der immer wieder unentdeckt entkommt. Man hasst ihn, aber man kann seine Klugheit nicht bestreiten. Diese Ambivalenz ist erzählerisch anspruchsvoll.
William Hamleigh ist eine andere Art von Bösewicht – nicht klug, aber brutal. Ein Adliger, der aus Kränkung und Frustration seine Gewalt an Schwächeren auslässt. Seine Vergewaltigung von Aliena ist eine der schrecklichsten Szenen des Buches – und ehrlich gesagt: eine, die auch heute noch schwer auszuhalten ist. Follett stellt William nicht als Monster dar, das man nicht verstehen kann. Er zeigt seine Herkunft, seine Kränkungen, seine Manipulationen durch seine dominante Mutter. Dadurch wird die Gewalt psychologisch nachvollziehbar – nicht entschuldigt, aber verstehbar. Diese psychologische Tiefe macht Follett zu einem klugen Erzähler. Er kreiert keine simplen Gut/Böse-Konstruktionen. Auch die Bösewichter haben ihre eigenen Geschichten. Das gibt dem Buch eine moralische Komplexität, die es weit über durchschnittliche Historienromane hebt.
Die Länge – Segen und Herausforderung
1294 Seiten sind eine Ansage. Ich will nicht verheimlichen: „Die Säulen der Erde“ ist ein wirklich langer Roman. Wer schnelle Pageturner sucht, wird zunächst zögern. Aber ich verspreche: Die Länge fügt sich der Geschichte. Follett braucht diese Seiten, um sein Epos zu erzählen. Um die Charaktere über Jahrzehnte zu entwickeln. Um die Kathedrale Stein für Stein wachsen zu lassen. Um die politischen Verwicklungen zu entfalten.
Wer sich auf das Buch einlässt, wird belohnt. Die 1294 Seiten fühlen sich zwar lang an, aber nicht langweilig. Follett hat ein Gespür für Erzähltempo. Er wechselt zwischen ruhigen Passagen und dramatischen Höhepunkten. Zwischen persönlichen Kämpfen und politischen Wendungen. Zwischen intimen Momenten und großen Schauplätzen. Diese Vielfalt hält das Buch lebendig. Wer die Verfilmung von 2010 kennt, hat einen visuellen Eindruck der Geschichte. Aber das Buch ist noch reicher. Der Film musste vieles kürzen. Das Buch lässt sich Zeit. Und diese Zeit ist es wert. Für Herbst- und Winterabende oder für den Urlaub, wenn man wirklich in eine Welt eintauchen möchte, ist „Die Säulen der Erde“ die perfekte Lektüre. Ich habe das Buch damals in etwa zwei Wochen durchgelesen – jeden Abend ein paar hundert Seiten, in einem Rausch der Immersion.
Die Kingsbridge-Reihe als Ganzes
„Die Säulen der Erde“ ist der erste Band der Kingsbridge-Reihe. Ken Follett hat inzwischen fünf Bände geschrieben: „Die Säulen der Erde“ (1990, 12. Jahrhundert), „Die Tore der Welt“ (2007, 14. Jahrhundert – zur Zeit der Pest), „Das Fundament der Ewigkeit“ (2017, 16. Jahrhundert – Reformation), „Kingsbridge – Der Morgen einer neuen Zeit“ (2020, 10. Jahrhundert – Prequel zum 1. Band) und „Die Waffen des Lichts“ (2023, 18. Jahrhundert).
Wichtig: „Der Morgen einer neuen Zeit“ spielt chronologisch vor „Die Säulen der Erde“, wurde aber später geschrieben. Es lässt sich also entweder chronologisch (mit „Der Morgen einer neuen Zeit“ starten) oder nach Erscheinungsjahr (mit „Die Säulen der Erde“ starten) lesen. Beide Wege funktionieren. Ich empfehle Neu-Einsteiger:innen tatsächlich, mit „Die Säulen der Erde“ zu beginnen. Das ist Folletts Meisterwerk und der emotionale Kern der Reihe. Danach kannst du entscheiden, ob du die Vorgeschichte oder die Fortsetzungen lesen möchtest. Für alle Follett-Fans ist die Reihe ein Abenteuer, das mehrere Wochen oder sogar Monate der Lektüre beanspruchen kann. Aber jeder Band ist es wert. Follett verbindet die Bände durch die gemeinsame Location Kingsbridge – auch wenn die Handlungen unabhängig sind. Es ist ein wirklich einzigartiges Projekt in der modernen Belletristik.
Warum 5 Sterne
Volle 5 Sterne – und das aus mehreren Gründen. Erstens: Die vielschichtigen Charaktere Jack, Aliena und Prior Philip sind unvergesslich. Zweitens: Das authentische Mittelalter-Bild ist historisch fundiert und literarisch brillant. Drittens: Der Kathedralbau als roter Faden verbindet die Handlungsstränge meisterhaft. Viertens: Die politische Dimension mit dem Bürgerkrieg und dem Becket-Mord ist historisch bedeutend. Fünftens: Die Antagonisten sind vielschichtig und moralisch komplex. Sechstens: Die 1294 Seiten fliegen (wenn man sich Zeit nimmt). Siebtens: Der weltweite Erfolg von über 26 Millionen verkauften Exemplaren spricht für sich.
„Die Säulen der Erde“ ist einer der besten Historienromane, die je geschrieben wurden. Wer den Roman noch nicht gelesen hat, sollte unbedingt zugreifen – auch wenn du normalerweise keine langen Wälzer magst. Wer den Roman schon gelesen hat, wird ihn irgendwann wieder lesen wollen. Wer die Verfilmung kennt, wird das Buch noch mehr genießen. Wer die anderen Kingsbridge-Bände noch nicht kennt, hat viele Stunden intensiver Lesevergnügens vor sich. Ich werde definitiv auch „Die Tore der Welt“, „Das Fundament der Ewigkeit“ und die anderen Bände (nochmal) lesen. Ken Follett gehört zu meinen absoluten Auto-Buy-Autoren!
✅ Was mir gefallen hat
- Vielschichtige, unvergessliche Charaktere
- Aliena als starke, feministische Heldin
- Jack Jackson als genialer Baumeister
- Prior Philip als moralische Instanz
- Der Kathedralbau als faszinierender roter Faden
- Authentisches, historisch fundiertes Mittelalter-Bild
- Politische Verwebung mit realer Geschichte
- Vielschichtige, moralisch komplexe Antagonisten
❌ Kleine Einschränkungen
- 1294 Seiten sind eine Zeitinvestition
- Harte Themen (Gewalt, Vergewaltigung)
- Nichts für schnelle Pageturner-Fans
- Manche Details historisch vereinfacht
Mein Fazit
„Die Säulen der Erde“ von Ken Follett ist einer der besten Historienromane aller Zeiten und ein absolutes Meisterwerk der modernen Belletristik. Die vielschichtigen, unvergesslichen Charaktere Jack, Aliena und Prior Philip, das authentische Mittelalter-Bild, der Kathedralbau als roter Faden, die politische Verwebung mit realer englischer Geschichte und die moralisch komplexen Antagonisten machen das Buch zu einer echten Bildungs- und Unterhaltungs-Erfahrung. Über 26 Millionen verkaufte Exemplare weltweit sprechen für sich.
Klare 5 Sterne und meine wärmste Empfehlung. Wer Lust auf einen wirklich immersiven historischen Roman mit tiefen Charakteren hat, sollte unbedingt zugreifen. Wichtig: Bitte beachte die Inhaltswarnung – manche Szenen sind schwer. Wer damit umgehen kann, bekommt eine der besten literarischen Erfahrungen des Historien-Genres. Ich werde definitiv auch die anderen Kingsbridge-Bände nochmal lesen und freue mich schon darauf. Ken Follett hat mit „Die Säulen der Erde“ ein wahres Meisterwerk geschaffen – ein Buch, das man ein Leben lang wieder lesen kann.
Für wen ist das Buch geeignet?
Für Fans historischer Romane – Rebecca Gablé („Das Lächeln der Fortuna“), Bernard Cornwell („Sharpe“-Reihe), Sarah Dunant, Umberto Eco („Der Name der Rose“), Diana Gabaldon („Outlander“). Für Leser:innen, die sich für Mittelalter, Kirchen-Geschichte, Baukunst oder englische Geschichte interessieren. Für alle, die tiefe Charakter-Entwicklungen über lange Zeiträume lieben. Auch als Buch für Lesekreise mit Diskussions-Potenzial. Perfekt für Winterabende, lange Zugfahrten oder Urlaube, in denen man wirklich in eine Welt eintauchen möchte. Als Geschenk für Historien-Fans eine sichere Wahl. Wer schon die TV-Serie kennt, wird das Buch noch mehr genießen.
Eher nicht geeignet für:
Leser:innen, die mit Themen wie sexualisierter Gewalt oder brutaler mittelalterlicher Gewalt aktuell nicht konfrontiert werden möchten. Auch nichts für dich, wenn du keine sehr langen Bücher magst – 1294 Seiten sind wirklich viel. Wer historisch akkurate Fach-Literatur erwartet, sollte lieber Sachbücher lesen – Follett vereinfacht manches für die Erzählung. Wer nur romantische Belletristik ohne Härte sucht, ist bei diesem Buch definitiv falsch – das Mittelalter wird realistisch dargestellt.
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Bist du auch Ken-Follett-Fan? Welcher Kingsbridge-Band ist dein Lieblingsband? Und wer ist deine Lieblingsfigur? Team Aliena, Team Jack oder Team Prior Philip? Schreib mir gerne in die Kommentare – ich sammle Follett-Gespräche für lange Winterabende!








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