⚠️ Ausführliche Inhaltswarnung: „Lieblingskind“ enthält als Psychothriller mit Horror-Elementen mehrere sensible Themen: das Verschwinden und die verstörende Rückkehr eines Kindes, Kindheitstraumata und ihre langfristigen Folgen, Gewaltdarstellungen, Andeutungen von Kindesmisshandlung im dörflichen Umfeld, Angst vor einem Familienmitglied, dunkle Kleinstadt-Geheimnisse, sowie Gothic-Horror-Elemente mit übernatürlichen Anklängen (Changeling-Motiv – das ausgetauschte Kind).
Wer selbst mit Kindheitstraumata, dem Verschwinden eines geliebten Menschen oder ähnlichen Erfahrungen belastet ist, sollte die Lektüre achtsam abwägen. Bei akuten psychischen Belastungen bietet die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 rund um die Uhr kostenlose und anonyme Hilfe. Bitte sei achtsam mit dir.
Ein englisches Kohle-Dorf voller Geheimnisse. Ein Bruder, der 25 Jahre nach dem prägenden Ereignis seines Lebens zurückkehrt. Eine kleine Schwester, die einst verschwand – und ganz anders zurückkam. Und eine Atmosphäre, die einem unter die Haut geht wie eine kalte Novembernacht. C. J. Tudor liefert mit „Lieblingskind“ einen absoluten Meisterwerk-Psychothriller mit Horror-Elementen. Was mich am stärksten gefesselt hat: Die unheimliche Kleinstadt-Atmosphäre à la Stephen King. Kein Wunder, dass King selbst über sie sagt: „Wenn Sie meine Bücher mögen, werden Sie auch dieses verschlingen.“ Volle 5 Sterne für die weibliche Stephen-King-Kollegin!
📖 Buchdaten
| Titel: | Lieblingskind (Thriller) |
| Autorin: | C. J. Tudor (Caroline Jane Tudor, britische Bestseller-Autorin aus Nottingham, oft als „weiblicher Stephen King“ bezeichnet) |
| Originaltitel: | The Taking of Annie Thorne / The Hiding Place (2019) |
| Übersetzung: | Werner Schmitz |
| Genre: | Psychothriller mit Horror-Elementen / Small-Town-Suspense / Gothic-Thriller / Coming-of-Age-Horror |
| Reihe: | Standalone (Einzelband) |
| Verlag: | Goldmann Verlag (Random House Deutschland) |
| Erschienen: | Deutsche Erstausgabe 15. Juli 2019 (Klappenbroschur), Taschenbuch 13. Juli 2020 |
| Seitenzahl: | 464 Seiten |
| Einband: | Klappenbroschur (auch als Taschenbuch, E-Book und Hörbuch) |
| ISBN: | 978-3-442-20579-0 |
| Schauplatz: | Arnhill (fiktives englisches Kohle-Dorf), zwei Zeitebenen (Kindheit und Gegenwart) |
| Hauptfigur: | Joe Thorne (Ich-Erzähler, Bruder der verschwundenen Annie) |
| Stephen-King-Zitat: | „Wenn Sie meine Bücher mögen, werden Sie auch dieses verschlingen.“ |
⭐⭐⭐⭐⭐
5 von 5 Sternen
Meisterhaft atmosphärischer Psychothriller mit Horror-Elementen und Stephen-King-Vibes. Ein unheimliches Highlight des Genres!
Worum geht’s?
Arnhill – ein kleines englisches Dorf im Herzen der ehemaligen Kohle-Region. Ein Ort, an dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Ein Ort, an dem alle jeden kennen. Ein Ort, an dem die Vergangenheit sich weigert, vergessen zu werden. Hier ist Joe Thorne aufgewachsen. Und hier ist damals das Undenkbare passiert. Eines Nachts verschwand seine geliebte kleine Schwester Annie. Aus ihrem eigenen Bett. Einfach so, ohne Spur. Das ganze Dorf war in Aufruhr. Alle haben gesucht. Alle haben das Schlimmste befürchtet. Die Polizei kam. Die Suchtrupps zogen durch die Wälder. Aber Annie blieb verschwunden.
Und dann, 24 Stunden später, kehrte sie wie durch ein Wunder zurück. Aber Annie konnte oder wollte nicht sagen, was ihr zugestoßen war. Und Joe konnte es sich nicht erklären. Was er wusste, war nur eines: Sie war nicht mehr dieselbe. Nicht mehr seine Annie. Etwas Dunkles, Fremdes war zurückgekommen mit ihr. Und Joe bekam Angst – mörderische Angst vor seiner eigenen kleinen Schwester. Fünfundzwanzig Jahre später kehrt der erwachsene Joe Thorne zurück nach Arnhill. Er unterrichtet dort an der Schule, in der er selbst einmal Schüler war. Aber der wahre Grund für seine Rückkehr ist ein anderer. Denn die Vergangenheit lässt Joe nicht los. Die Frage, was damals wirklich mit Annie passiert ist, brennt in ihm. Und jetzt scheint sich die Geschichte zu wiederholen – ein weiteres Kind ist verschwunden. Ein rasanter Psychothriller mit Horror-Elementen über Small-Town-Geheimnisse, verlorene Kindheit und die dunklen Kräfte, die niemals wirklich verschwinden.
Meine Meinung
Die unheimliche Kleinstadt-Atmosphäre à la Stephen King – das absolute Herzstück
Das ist der wichtigste Grund für meine volle 5-Sterne-Bewertung. C. J. Tudor beherrscht das Kleinstadt-Horror-Genre wie kaum jemand anders. Nicht ohne Grund wird sie oft als „der weibliche Stephen King“ bezeichnet – und der Meister selbst hat sie in einem Zitat gelobt: „Wenn Sie meine Bücher mögen, werden Sie auch dieses verschlingen.“ Diese Empfehlung ist keine Übertreibung. Tudor hat wirklich Kings Blick für die Dunkelheit unter der Oberfläche kleiner Gemeinschaften.
Arnhill wird bei Tudor zu einem lebenden Organismus. Ein Ort mit eigener Persönlichkeit. Mit eigenen Regeln. Mit eigenen Geheimnissen. Wir spüren die klaustrophobische Enge kleiner englischer Dörfer, in denen jeder jeden kennt und wo die Vergangenheit nicht vergehen darf. Wir riechen den Kohle-Staub, der die Region prägt. Wir sehen die verfallenen Häuser, die geschlossenen Zechen, die verkommenen Straßen. Tudor gelingt eine Small-Town-Atmosphäre, die man förmlich atmen kann. Für alle King-Fans, die „Es“, „Salem’s Lot“, „Der Anschlag“ oder „Duddits“ lieben, ist Tudor eine echte Entdeckung. Ihre Kleinstädte funktionieren nach denselben archetypischen Regeln wie Kings: Sie sind Orte, an denen das Böse Wurzeln geschlagen hat und die Menschen unbewusst mitspielen. Diese urarchäische Angst vor der eng gefassten Gemeinschaft, die Fremde und Andersartige nicht duldet, ist bei Tudor perfekt eingefangen.
Das englische Kohle-Dorf als Setting
Was Tudor besonders klug macht: Sie wählt ein spezifisches englisches Setting – die ehemalige Kohle-Region der Midlands. Dieser regionale Kontext gibt dem Buch eine besondere Authentizität. Die englischen Kohle-Dörfer haben eine eigene Geschichte: Blütezeit im 19. und frühen 20. Jahrhundert, dann der Niedergang durch Thatchers Politik in den 1980ern, die geschlossenen Zechen, die Arbeitslosigkeit, die verlassenen Städte. Diese sozioökonomische Realität schwingt bei Tudor mit.
Arnhill ist kein pittoreskes englisches Dorf, wie wir es aus Kitschbüchern kennen. Es ist ein Ort mit Narben. Mit stillgelegten Bergwerken. Mit sozialen Wunden. Diese realistische sozialkritische Ebene macht das Buch reicher als reine Horror-Unterhaltung. Auch die Kohle-Zechen selbst spielen eine wichtige Rolle. Die unterirdischen Gänge, die verlassenen Stollen, die vergessenen Räume unter der Erde – all das wird zu einer eigenen düsteren Symbolebene. Was liegt in der Tiefe? Was hat man dort unten begraben? Für Fans englischer Nordisch-Noir-Krimis (ähnlich Ann Cleeves‘ „Shetland“ oder Belinda Bauers Bücher) ist die soziale Realität englischer Ex-Industrie-Regionen wichtig. Tudor trifft diesen Ton perfekt. Für deutsche Leser:innen ist es zudem interessant, diese britische Region kennenzulernen – weniger touristisch als London oder das Lake District, aber literarisch reich.
Das verstörende Changeling-Motiv
Ein besonders faszinierendes Element: das Changeling-Motiv (das ausgetauschte Kind). C. J. Tudor greift hier eine uralte europäische Volkssage auf: die Vorstellung, dass Feen oder böse Geister ein menschliches Kind stehlen und ein gleichaussehendes Wesen an dessen Stelle setzen können. Das Kind sieht aus wie das eigene, aber es ist nicht mehr das eigene. Diese Angst haben Menschen jahrhundertelang gehabt.
Was Tudor besonders klug macht: Sie holt dieses uralte Motiv in die Gegenwart. Annie kehrt zurück – aber ist sie noch Annie? Oder ist da etwas anderes zurückgekommen? Diese Frage begleitet uns durch das ganze Buch. Und Tudor lässt uns lange rätseln. Ist es psychologische Trauma-Reaktion? Ist es tatsächlich etwas Übernatürliches? Ist Joe der unzuverlässige Erzähler, der die Realität falsch interpretiert? Diese offene Konstruktion ist erzählerisch anspruchsvoll und wirklich klug gemacht. Für Fans von Gothic-Horror mit übernatürlichen Elementen à la Stephen King, Shirley Jackson („The Haunting of Hill House“) oder Sarah Waters ist Tudor eine wirkliche Bereicherung. Auch Fans von „Rosemary’s Baby“ (Ira Levin) werden das Changeling-Motiv wiedererkennen. Diese uralte Angst vor dem, was in unseren eigenen Kindern verborgen sein könnte – Tudor bringt sie zurück in die moderne Belletristik. Verstörend. Unheimlich. Genial.
Joe Thorne als Ich-Erzähler
Joe Thorne ist eine wirklich gelungene Hauptfigur. C. J. Tudor lässt uns die ganze Geschichte durch seine Augen erleben – im Ich-Erzähler-Perspektive. Das erzeugt maximale Nähe. Wir erleben seine Kindheit im Rückblick. Wir spüren seine erwachsene Zerissenheit. Wir teilen seine Angst, seine Schuldgefühle, seine Rachegedanken.
Was Joe besonders glaubwürdig macht: Er ist kein sympathischer Held. Er hat Fehler. Er ist beschädigt vom Leben. Er hat Alkohol-Probleme. Er hat eine schwierige Vergangenheit. Er trifft moralisch fragwürdige Entscheidungen. Aber gerade diese Zerbrochenheit macht ihn menschlich. Wir kennen keinen perfekten Ermittler à la Hercule Poirot. Wir kennen einen zerbrochenen Mann, der versucht, mit den Dämonen seiner Vergangenheit klarzukommen. Für Fans komplexer, unzuverlässiger Ich-Erzähler (à la Gillian Flynns „Gone Girl“ oder Paula Hawkins‘ „The Girl on the Train“) ist Joe eine wirklich befriedigende Figur. C. J. Tudor beweist auch, dass sie männliche Hauptfiguren genauso überzeugend schreiben kann wie weibliche. Joes innere Stimme ist authentisch, glaubwürdig, berührend. Auch seine Beziehung zu seiner verlorenen Schwester Annie zieht sich als roter Faden durch das Buch. Diese emotionale Kern-Geschichte gibt der Handlung Herz. Es geht nicht nur um Horror – es geht um Liebe, Verlust und die Frage, wie weit wir für die gehen, die wir lieben.
Die zwei Zeitebenen – Kindheit und Gegenwart
C. J. Tudor arbeitet mit zwei Zeitebenen. In der Gegenwart sehen wir den erwachsenen Joe, der nach 25 Jahren nach Arnhill zurückkehrt. In den Rückblenden erleben wir seine Kindheit, die tragischen Ereignisse um Annie, die Freunde-Clique der Jugend, das langsame Auseinanderbrechen der Familie. Diese Doppel-Struktur ist erzählerisch anspruchsvoll und wirklich gut umgesetzt.
Was besonders schön funktioniert: Die Zeitebenen kommentieren sich gegenseitig. Was Joe als Kind erlebt hat, wirkt sich auf sein Erwachsenen-Leben aus. Was er heute entdeckt, hilft ihm, die Kindheit zu verstehen. Diese Verflechtung ist das Herz des Buches. Für Fans von Coming-of-Age-Horror (à la Stephen Kings „Es“ oder Stranger Things) ist diese Struktur ideal. Wir sehen sowohl die Verletzlichkeit des Kindes als auch die dauerhaften Narben des Erwachsenen. Die 1990er-Jahre-Kindheit in England wird lebendig – die Freunde-Clique, die Fahrradtouren, die Geheimnisse in verlassenen Bergwerken. Das erinnert stark an die Amerika-Kindheit à la King, aber mit britischem Twist. Für alle, die diese Ära und dieses Genre mögen, ist „Lieblingskind“ ein wirklicher Genuss. C. J. Tudor hat offenbar eine besondere Vorliebe für Jugendliche in schrägen Cliquen und gruselige Kleinstädte – genau wie King. Kein Wunder, dass beide sich literarisch verbunden fühlen.
Die Small-Town-Geheimnisse
Was das Buch besonders spannend macht: die Small-Town-Geheimnisse. C. J. Tudor zeigt, wie kleine Gemeinschaften ihre Wahrheiten unter der Oberfläche verstecken. Wer weiß was? Wer hat wen gedeckt? Welche Bündnisse haben sich gebildet? Welche Feindschaften wurden über Generationen weitervererbt? All das schwingt bei Arnhill mit.
Was Tudor besonders klug macht: Sie zeigt beide Seiten des Kleinstadt-Lebens. Es gibt die Wärme der Vertrautheit – man kennt jeden. Aber es gibt auch die Beklemmung der Enge – man kann sich nicht verstecken. Diese Ambivalenz ist realistisch. Kleine Gemeinschaften sind keine reinen Idyllen. Sie sind komplex, mit eigenen Machtstrukturen und Ungerechtigkeiten. Für alle Fans von Small-Town-Thrillern (à la Karin Slaughter, Elizabeth George, aber auch deutschen Autor:innen wie Nele Neuhaus mit ihren Taunus-Krimis) ist „Lieblingskind“ ein wirklicher Genuss. Auch das Motiv des Rückkehrers – der Erwachsene, der nach Jahren in seine Heimat zurückkommt und mit den alten Geheimnissen konfrontiert wird – ist archetypisch und wirkungsvoll. Manche Bekannte werden zu Verbündeten, andere zu Feinden. Und niemand ist wirklich, was er zu sein scheint. Diese moralische Ambiguität ist erzählerisch stark.
C. J. Tudor und der Kult um „Der Kreidemann“
C. J. Tudor ist eine der wichtigsten britischen Thriller-Autorinnen ihrer Generation. Ihr Debüt „Der Kreidemann“ (The Chalk Man, 2018) wurde international zum Kult. In 40 Länder verkauft, mit Stephen-King-Empfehlung, in vielen Ländern zum SPIEGEL-Bestseller. Damit setzte sie die Latte hoch für ihre weiteren Werke.
„Lieblingskind“ (2019) ist ihr zweites Buch und – ehrlich gesagt – nicht ganz so kultig wie „Der Kreidemann“. Manche Fans finden „Der Kreidemann“ oder das spätere „Das Gotteshaus“ (The Burning Girls, 2021, das bei Paramount+ verfilmt wurde!) stärker. Aber „Lieblingskind“ ist dennoch ein wirklich starkes Buch, das definitiv zu ihrem Werk-Kanon gehört. Ich empfehle allen, die C. J. Tudor entdecken wollen, mit „Der Kreidemann“ oder „Das Gotteshaus“ zu beginnen. Wer dann mehr will, findet in „Lieblingskind“ ein weiteres Meisterwerk. Auch ihre weiteren Werke: „Schneewittchen schläft“ (The Other People, 2020), „The Drift“ (2023) und Kurzgeschichtensammlungen. Alle bei Goldmann Verlag erschienen. C. J. Tudor gehört inzwischen zur Top-Liga der englischen Thriller-Autor:innen und ihre Werke werden regelmäßig für TV-Adaptionen optioniert. Wer atmosphärisch dichte britische Psychothriller mit Horror-Elementen mag, ist bei ihr richtig aufgehoben.
Stephen Kings persönliche Empfehlung
Ein besonderes Highlight: die persönliche Empfehlung von Stephen King selbst. Der Meister des Horrors und Suspense-Genres schreibt über C. J. Tudor: „Wenn Sie meine Bücher mögen, werden Sie auch dieses verschlingen.“ Diese Empfehlung von einem der größten Erzähler des 20. und 21. Jahrhunderts ist Gold wert.
Warum die Empfehlung Sinn macht: C. J. Tudor arbeitet mit Elementen, die auch King liebt. Jugendliche in schrägen Cliquen. Gruselige Kleinstädte mit dunklen Geheimnissen. Kindheitshorror, der sich ins Erwachsenenleben fortsetzt. Übernatürliche Bedrohungen, die aus dem Alltag herauswachsen. Emotional komplexe Ich-Erzähler mit eigenen Dämonen. All diese Elemente kennen wir aus King-Meisterwerken wie „Es“, „Der Anschlag“, „Duddits“ oder „The Institute“. Aber Tudor hat ihre eigene Stimme. Sie schreibt actionreicher und etwas weniger detailverliebt als King. Ihre Bücher sind kürzer und intensiver. Für Leser:innen, die King lieben, aber manchmal von seinen 1000-Seiten-Wälzern erschlagen sind, ist Tudor die perfekte Alternative. Britisch statt amerikanisch. Kompakter statt ausufernd. Aber mit derselben atmosphärischen Dichte und derselben psychologischen Präzision. Für alle King-Fans, die noch nie ein Tudor-Buch gelesen haben: absolute Empfehlung! Wer weiß, welche King-Bücher man liebt, kann leicht abschätzen, welche Tudor-Bücher am besten passen.
Die Horror-Elemente
Was „Lieblingskind“ von durchschnittlichen Psychothrillern abhebt: Tudor scheut sich nicht, echte Horror-Elemente einzubauen. Das Changeling-Motiv, die uralten Kohle-Zechen mit ihren dunklen Stollen, die verstörenden Momente, in denen die Realität in Frage gestellt wird. Das Buch balanciert brillant zwischen Psychothriller und Horror. Man weiß nicht immer, ob die Bedrohung psychologisch oder übernatürlich ist.
Was Tudor besonders klug macht: Sie überstrapaziert die Horror-Elemente nicht. Sie dosiert sie präzise. Wir bekommen nicht ständig Übernatürliches – sondern immer wieder Momente, in denen die Realität wackelt. Diese Wackelmomente sind erzählerisch stark. Für Leser:innen, die reine Realismus-Thriller mögen, könnten die Horror-Andeutungen zu viel sein. Für alle, die Grenzgänge zwischen Realität und Übernatürlichem lieben, ist es genau richtig. Meine Empfehlung: Lass dich einfach auf die Geschichte ein. Ob am Ende alles rational erklärbar ist oder nicht – die emotionale Wirkung ist da. Und das ist letztlich, was zählt. C. J. Tudor gehört zu jenen Autor:innen, die verstehen, dass Horror auch ohne blutige Splatter-Szenen wirken kann. Es ist die Bedrohung, die im Kopf entsteht, die am schlimmsten ist. Und diese Bedrohung baut sie meisterhaft auf.
Warum 5 Sterne
Volle 5 Sterne – und das aus mehreren Gründen. Erstens: Die unheimliche Kleinstadt-Atmosphäre à la Stephen King ist meisterhaft konstruiert. Zweitens: Das englische Kohle-Dorf ist ein wirklich starkes, authentisches Setting. Drittens: Das Changeling-Motiv ist verstörend und clever eingesetzt. Viertens: Joe Thorne ist ein glaubwürdiger, komplexer Ich-Erzähler. Fünftens: Die Doppel-Zeitebenen-Struktur ist erzählerisch anspruchsvoll. Sechstens: C. J. Tudor beherrscht die Balance zwischen Psychothriller und Horror perfekt. Siebtens: Die Stephen-King-Empfehlung spricht für sich.
„Lieblingskind“ ist einer der besten Psychothriller mit Horror-Elementen, die ich gelesen habe. Für alle King-Fans absolut Pflichtlektüre. Für alle, die atmosphärische britische Small-Town-Thriller lieben, ein absoluter Genuss. Wichtig: Bitte beachte die ausführliche Inhaltswarnung – die Themen um verschwundene Kinder und Kindheitshorror können triggern. Wer damit umgehen kann, bekommt einen wirklich starken Thriller mit langem Nachhall. Ich werde definitiv auch die anderen C. J. Tudor-Werke lesen – „Der Kreidemann“, „Schneewittchen schläft“, „Das Gotteshaus“ und „The Drift“ stehen jetzt auf meiner Liste!
✅ Was mir gefallen hat
- Meisterhafte Kleinstadt-Atmosphäre à la Stephen King
- Authentisches englisches Kohle-Dorf-Setting
- Verstörendes Changeling-Motiv
- Joe Thorne als komplexer Ich-Erzähler
- Kluge Doppel-Zeitebenen-Struktur
- Balance zwischen Psychothriller und Horror
- Stephen Kings persönliche Empfehlung
- Sozial-realistische Kohle-Region-Ebene
❌ Kleine Einschränkungen
- „Der Kreidemann“ gilt als noch stärker
- Horror-Elemente nichts für alle
- Sensible Kindheits-Themen können triggern
- Slow-Burn statt Action-Pageturner
Mein Fazit
„Lieblingskind“ von C. J. Tudor ist ein wirklich starker Psychothriller mit Horror-Elementen und Stephen-King-Vibes. Die meisterhafte Kleinstadt-Atmosphäre, das authentische englische Kohle-Dorf-Setting, das verstörende Changeling-Motiv, Joe Thorne als komplexer Ich-Erzähler, die kluge Doppel-Zeitebenen-Struktur und Tudors Balance zwischen Psychothriller und Horror machen das Buch zu einer wirklich außergewöhnlichen Lektüre. Stephen Kings persönliche Empfehlung spricht für sich.
Klare 5 Sterne und meine wärmste Empfehlung. Wer atmosphärische britische Psychothriller mit Horror-Elementen liebt, sollte unbedingt zugreifen. Wichtig: Bitte beachte die ausführliche Inhaltswarnung – die Themen um verschwundene Kinder und Kindheitshorror können triggern. Wer damit umgehen kann, bekommt einen absoluten Pageturner mit atmosphärischer Dichte und langem Nachhall. Ich freue mich schon jetzt auf die weiteren C. J. Tudor-Werke – „Der Kreidemann“ und „Das Gotteshaus“ stehen ganz oben auf meiner Liste!
Für wen ist das Buch geeignet?
Für alle Stephen-King-Fans, die britische Kollegen suchen. Für Fans atmosphärischer Kleinstadt-Thriller mit Horror-Elementen. Für Leser:innen von Coming-of-Age-Horror (à la „Es“, Stranger Things). Für alle, die deutsche Psychothriller-Autor:innen wie Andreas Winkelmann, Ursula Poznanski oder Sebastian Fitzek schätzen und britische Ergänzungen suchen. Für Fans komplexer, unzuverlässiger Ich-Erzähler. Auch für Leser:innen englischer Nordisch-Noir-Krimis. Ideal als Herbst-/Winter-Lektüre – die düstere Atmosphäre passt zur Jahreszeit. Absolut perfekt für Halloween-Reading-Listen!
Eher nicht geeignet für:
Leser:innen, die aktuell mit Kindheitstraumata oder verschwundenen Familienmitgliedern belastet sind – die Themen können triggern. Auch nichts für dich, wenn du übernatürliche Horror-Elemente grundsätzlich meidest – „Lieblingskind“ hat klare Gothic- und Horror-Anteile. Wer schnelle Action-Pageturner mit ständigen Cliffhangern sucht, wird mit dem atmosphärischen Slow-Burn-Charakter enttäuscht sein. Und wer nur „Feel-Good“-Bücher lesen möchte, ist bei diesem düsteren Meisterwerk definitiv falsch.
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Bist du auch Team Stephen King? Welche „weibliche Stephen King“-Autorin ist deine Lieblingsentdeckung? Und welchen atmosphärischen Kleinstadt-Thriller solltest du unbedingt noch entdecken? Schreib mir gerne in die Kommentare – ich sammle Empfehlungen für die dunkle Jahreszeit!








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