Mikki Brammer: Dieses schöne Leben

Dieses schöne Leben

⚠️ Kurzer Hinweis: Dieser Roman dreht sich um die Themen Tod, Sterben, Trauer und Verlust – allerdings auf eine warmherzige, lebensbejahende und tröstliche Weise. Wer aktuell selbst trauert oder mit dem Verlust eines geliebten Menschen ringt, sollte behutsam mit sich sein. Für viele kann das Buch aber gerade dann ein Trost sein.

„Um einen schönen Tod zu sterben, musst du ein schönes Leben leben.“ Mit diesem Satz im Herzen begleitet Clover als Sterbebegleiterin Menschen auf ihrem letzten Weg – und lernt dabei, wie man eigentlich richtig lebt. Mikki Brammers „Dieses schöne Leben“ hat mich mit seiner zutiefst lebensbejahenden Botschaft berührt wie kaum ein Buch zuvor. Eine 5-Sterne-Liebeserklärung an einen Wohlfühlroman, der ans Herz geht.

📖 Buchdaten

Titel:Dieses schöne Leben
Autorin:Mikki Brammer (australische Autorin)
Übersetzung:Carolin Müller
Originaltitel:The Collected Regrets of Clover (2023)
Genre:Roman / Wohlfühlroman / Gegenwartsliteratur / Liebes- und Selbstfindungsgeschichte
Reihe:Einzelband (Debütroman)
Verlag:Droemer Knaur
Erschienen:2024 (deutsche Erstausgabe)
Einband:Paperback / Klappenbroschur (auch als E-Book und Hörbuch)
ISBN:978-3-426-52959-1
Für Fans von:Matt Haig „Die Mitternachtsbibliothek“, Gail Honeyman „Ich, Eleanor Oliphant“

⭐⭐⭐⭐⭐

5 von 5 Sternen

Ein berührender Wohlfühlroman über das Sterben, der vor allem eines lehrt: wie man wirklich lebt. Warmherzig, klug, hoffnungsvoll.

Worum geht’s?

Umgeben von Büchern, vielfältigem Wissen und geliebten Ritualen verbringt Clover eine ungewöhnliche, aber liebevolle Kindheit bei ihrem Großvater, einem Professor, in New York. Als er unerwartet stirbt – während sie verreist ist und nicht bei ihm sein kann – trifft Clover eine Entscheidung, die ihr Leben prägen wird: Sie wird Sterbebegleiterin. Denn niemand soll allein, ohne Trost, aus dem Leben scheiden müssen.

Mit ihrer ruhigen, mitfühlenden Art ist Clover die Beste auf ihrem Gebiet. Doch während sie anderen hilft, in Frieden zu gehen, droht sie ihr eigenes Leben zu verpassen – zwischen ihrem Beruf und einsamen Abenden mit romantischen Filmen. Das ändert sich, als die quirlige Sylvie nebenan einzieht, die Clovers Beruf faszinierend statt abschreckend findet. Und dann bekommt Clover mit der resoluten alten Dame Claudia eine neue Klientin, die sie auf die Suche nach ihrer verlorenen großen Liebe schickt – eine Suche, die Clover ihrem eigenen Seelenverwandten näherbringt, als sie ahnt.

Meine Meinung

Die lebensbejahende Botschaft

Das ist für mich das Herzstück dieses Buches – und der Grund, warum es mich so tief berührt hat. „Dieses schöne Leben“ handelt vom Tod, aber im Kern geht es ums Leben. Brammer dreht die Perspektive um: Indem Clover Menschen beim Sterben begleitet, lernt sie (und wir mit ihr), was im Leben wirklich zählt. Welche Reue Menschen am Ende empfinden. Welche Momente sie als die kostbarsten erinnern. Was sie bereuen, nicht getan zu haben.

Diese Botschaft – „Sei besonnen waghalsig. Auf ein Leben mit weniger Grund zum Bedauern“ – ist so klug und so tröstlich, dass ich das Buch mehrfach weglegen musste, um nachzudenken. Es ist keine kitschige Lebenshilfe-Botschaft, sondern eine, die aus den echten, kleinen Geschichten der Sterbenden erwächst. Genau dadurch wirkt sie authentisch und geht ans Herz, statt belehrend zu sein.

Schreibstil & Sprache

Mikki Brammer schreibt warm, einfühlsam und mit einer Leichtigkeit, die dem schweren Thema seine Schwere nimmt. Ihr Stil ist flüssig und zugänglich – man liest sich mühelos durch die Seiten, obwohl die Themen alles andere als oberflächlich sind. Sie balanciert gekonnt zwischen Traurigkeit, Humor und Hoffnung, sodass das Buch nie ins Düstere kippt, aber auch nie verharmlost.

Man merkt dem Buch an, dass Brammer aus dem Bereich Kunst und Architektur kommt – sie hat ein Gespür für Atmosphäre, für die kleinen, schönen Details. Die Beschreibung von Clovers büchergefülltem Zuhause, ihren Ritualen, der besonderen Atmosphäre an den Sterbebetten – all das ist sinnlich und liebevoll gestaltet. Die deutsche Übersetzung von Carolin Müller transportiert diese Wärme hervorragend.

Clover als besondere Hauptfigur

Clover ist eine wunderbar eigenwillige, leicht verschrobene Hauptfigur. Sie ist introvertiert, lebt zurückgezogen mit ihren Büchern und ihrer Katze, fühlt sich im Umgang mit Sterbenden wohler als mit lebenden Menschen. Diese Figur, die Trost spenden kann, aber selbst die Verbindung zum eigenen Leben verloren hat, ist herrlich nahbar. Man möchte sie sanft aus ihrer Schutzhülle locken – und genau das passiert im Laufe des Buches.

Die Parallelen zu Figuren wie Eleanor Oliphant sind unverkennbar: die liebenswerte Sonderbarkeit, die Einsamkeit hinter der Fassade, die langsame Öffnung zum Leben. Brammer macht aus Clover aber keine Kopie, sondern eine eigenständige Figur mit ihrer ganz besonderen Beziehung zum Tod – und zum Leben. Ich habe sie sofort ins Herz geschlossen.

Die Nebenfiguren

Was das Buch zusätzlich besonders macht: die wunderbaren Nebenfiguren. Die quirlige Nachbarin Sylvie, die Clover aus ihrer Isolation holt. Die resolute alte Dame Claudia, die Clover auf die Suche nach ihrer verlorenen Liebe schickt und damit alles ins Rollen bringt. Jede dieser Figuren bringt Clover (und die Leser:innen) ein Stück näher an die zentrale Erkenntnis: dass das Leben gelebt werden will, solange man es hat.

Besonders die Geschichte um Claudia und ihre verlorene große Liebe hat mich berührt. Sie verleiht dem Roman eine zusätzliche romantische Ebene, die nie kitschig wird, sondern organisch aus den Themen Tod und Reue erwächst. Diese Verflechtung von Liebesgeschichte und Auseinandersetzung mit dem Sterben ist clever und herzerwärmend zugleich.

Tod als Thema ohne Düsternis

Was ich an „Dieses schöne Leben“ besonders bemerkenswert finde: Brammer schafft es, ein Buch über das Sterben zu schreiben, das nicht deprimiert, sondern aufrichtet. Die Sterbeszenen sind nicht morbide, sondern würdevoll und oft sogar schön. Brammer entmystifiziert den Tod, nimmt ihm einen Teil seines Schreckens, ohne ihn zu verharmlosen. Das ist eine seltene und wertvolle Leistung.

Gerade in unserer Gesellschaft, die den Tod gerne wegschiebt und tabuisiert, ist dieses Buch ein leiser, wichtiger Gegenentwurf. Es lädt ein, über die eigene Sterblichkeit nachzudenken – nicht aus Angst, sondern als Anstoß, das Leben bewusster und voller zu leben. Ich habe das Buch nicht nur als Unterhaltung gelesen, sondern als sanfte Erinnerung daran, was wirklich zählt.

Mein kleiner Vorbehalt

Ganz ehrlich: Das Buch hat ein eher ruhiges Tempo. Wer einen handlungsgetriebenen Roman mit ständigen Wendungen sucht, könnte den Mittelteil als etwas langsam empfinden – einige Leser:innen berichten von leichten Längen. Mich hat genau diese Ruhe nicht gestört, im Gegenteil: Sie passt zum kontemplativen Thema, gibt den Gedanken Raum. Aber es ist ein Buch zum langsamen Genießen, nicht zum Verschlingen.

Für mich überwiegen die Stärken so deutlich, dass es bei der vollen Sternzahl bleibt. Die lebensbejahende Botschaft, die liebevollen Figuren und die warmherzige Atmosphäre machen „Dieses schöne Leben“ zu einem Buch, das ich noch lange im Herzen tragen werde.

✅ Was mir gefallen hat

  • Zutiefst lebensbejahende, kluge Botschaft
  • Clover als liebenswerte, besondere Hauptfigur
  • Warmherzige, tröstliche Atmosphäre
  • Wunderbare Nebenfiguren (Sylvie, Claudia)
  • Tod als Thema ohne Düsternis
  • Einfühlsamer, flüssiger Schreibstil
  • Berührende Liebes- und Selbstfindungsgeschichte

❌ Kleine Einschränkungen

  • Ruhiges Tempo, im Mittelteil leichte Längen
  • Wenig handlungsgetrieben
  • Thema Tod/Trauer kann aktuell Trauernde belasten

Mein Fazit

„Dieses schöne Leben“ ist ein berührender, kluger Wohlfühlroman, der das schwere Thema Tod in eine zutiefst lebensbejahende Geschichte verwandelt. Mikki Brammer beweist mit ihrem Debüt großes Einfühlungsvermögen – sie schreibt über das Sterben und meint damit das Leben. Wer Bücher mit Herz und Tiefgang liebt, sollte unbedingt zu diesem Roman greifen.

Klare 5 Sterne und eine warme Empfehlung – besonders für alle, die nach einem Buch suchen, das tröstet, berührt und gleichzeitig Mut macht, das eigene Leben bewusster zu leben. Für Fans von Matt Haigs „Mitternachtsbibliothek“ oder Gail Honeymans „Eleanor Oliphant“ ist es ein absoluter Pflichtkauf. Und auch ein wunderschönes, bedeutsames Geschenk für Menschen, die gerade über die großen Fragen des Lebens nachdenken.

Für wen ist das Buch geeignet?
Für Fans warmherziger Wohlfühlromane mit Tiefgang – Matt Haig, Gail Honeyman, Fredrik Backman, Gabrielle Zevin. Für alle, die Bücher lieben, die berühren und gleichzeitig zum Nachdenken anregen. Auch ein bedeutsames Geschenk für Menschen in Umbruchsituationen oder für jeden, der sich mit den großen Lebensfragen auseinandersetzen möchte – auf eine sanfte, hoffnungsvolle Weise.

Eher nicht geeignet für:
Leser:innen, die aktuell akut um einen geliebten Menschen trauern und sich noch nicht mit dem Thema Tod auseinandersetzen können. Auch nichts für dich, wenn du handlungsgetriebene Romane mit hohem Tempo bevorzugst – „Dieses schöne Leben“ lebt von Ruhe, Atmosphäre und leiser emotionaler Tiefe statt von Spannung.

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Jessica

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